TECHNIK & WISSEN

Die OCHSNER
Kältemittel-Doppelstrategie

Rund um Kältemittel bei Wärmepumpen kursieren viele vereinfachende Aussagen: pauschale Verbote, klare Gewinner, einfache Antworten. Die Realität ist differenzierter. OCHSNER Wärmepumpen setzt je nach Produktfamilie auf unterschiedliche Kältemittel – aus technischen Gründen, nicht aus Beliebigkeit.

Warum Kältemittel
plötzlich im Mittelpunkt stehen

Jahrelang war das Kältemittel einer Wärmepumpe eine technische Randnotiz. Seit die Europäische Union die Regulierung fluorierter Treibhausgase neu geregelt hat, ist es zum Kaufargument geworden – und zu einem Thema, das nicht immer sachlich diskutiert wird. 

Die Verordnung (EU) 2024/573 definiert seit März 2024 neue Anforderungen für Produkte mit bestimmten Kältemitteln. Das hat eine Diskussion ausgelöst, die sich häufig auf eine einfache Formel reduziert: natürlich gut, synthetisch schlecht. Diese Vereinfachung hilft bei einer fundierten Entscheidung nicht weiter. Die Wahl des Kältemittels beeinflusst, wie eine Wärmepumpe konstruiert ist, wo sie aufgestellt werden kann, welche Sicherheitsanforderungen gelten und wie effizient sie in einem konkreten System arbeitet. 

Das ist keine ideologische Frage, sondern eine technische.

Faktencheck: 
„Wird alles außer R290 verboten?"

Kurze Antwort: Nein. 

Die Verordnung (EU) 2024/573 regelt den schrittweisen Ausstieg aus Kältemitteln mit hohem Treibhauspotenzial. Sie unterscheidet nach Produktkategorien, GWP-Schwellenwerten und Zeitpunkten des Inverkehrbringens. Ein pauschales Verbot aller synthetischen Kältemittel ist nicht ihr Inhalt.

  • Bestehende Anlagen dürfen nach aktuellem Stand weiterhin betrieben werden 
  • Wartung und Kältemittelnachfüllung bleiben grundsätzlich möglich 
  • Die Fristen gelten für neue Produkte – gestaffelt nach Bauweise und Leistungsklasse 
  • Kein pauschales sofortiges Verbot – aber konkrete Stichtage ab 2027

Was die Verordnung regelt!

Die Verordnung (EU) 2024/573 setzt Fristen für das Inverkehrbringen neuer Wärmepumpen, gestaffelt nach Bauweise und Leistungsklasse. R290 (GWP < 1) ist dauerhaft ohne Einschränkungen einsetzbar. Für synthetische Kältemittel gilt:

Ab 2027: Monoblock bis <= 50 kW, Split: bis <= 12 kW – kein Inverkehrbringen mit GWP > 150

Ab 2029: Split-Systeme > 12 kW – kein GWP > 750 (R32 mit GWP 675 bleibt zulässig)

Ab 2030: alle Monoblock Geräte - kein Inverkehrbringen mit GWP > 150

Bestandsanlagen: Weiterhin betreibbar, wartbar, nachfüllbar – ohne Frist

Warum OCHSNER auf mehrere Kältemittel setzt

Das OCHSNER Portfolio umfasst Luft-, Sole-, Grundwasser- und Warmwasser-Wärmepumpen. Anwendungen, die sich in Leistungsklasse, Aufstellsituation und Sicherheitsanforderungen unterscheiden. Eine einzige Kältemittellösung für alle Szenarien wäre technisch nicht optimal.

Sicherheitsklasse und Aufstellort

Kältemittel werden unter anderem nach ihrer Brennbarkeit in Sicherheitsklassen eingeteilt: A1 (keine Flammenausbreitung), A2L (schwer entflammbar) und A3 (hoch entflammbar). Diese Klassifizierung hat direkte Auswirkungen auf die Systemarchitektur und Aufstellbedingungen einer Wärmepumpe. 

R290 (Propan) ist thermodynamisch ein ausgezeichnetes Kältemittel – und gleichzeitig A3. Für Außengeräte wie AIR MILAN, AIR EAGLE ist das gut lösbar. OCHSNER entwickelte dafür einen werksseitig integrierten Sole-Zwischenkreis (AIR EAGLE), der den R290-Kältekreis vollständig im Außenteil hält: Ins Gebäude führen nur wasserführende Leitungen. Das ist ein OCHSNER Alleinstellungsmerkmal und schließt unter allen Umständen aus, dass R290 ins Heizungswasser übergeht. 

Für Sole- und Grundwasser-Wärmepumpen mit Innenaufstellung – TERRA FOX und AQUA FOX – ist R452B die konsequentere Wahl. Sicherheitsklasse A1, nicht brennbar, kein konstruktiver Mehraufwand für den Innenraum. SCOPs von 5,6 bis 5,8 zeigen, dass der Verzicht auf R290 keine Einbuße bei der Effizienz bedeutet.

Thermodynamik, Leistung, System

Kältemittel unterscheiden sich in ihren thermodynamischen Eigenschaften: Verdampfungsdruck, Kondensationsdruck, spezifische Enthalpie (vereinfacht: wie viel Wärme ein Kilogramm Kältemittel beim Verdampfen aufnehmen und beim Kondensieren wieder abgeben kann – je mehr, desto effizienter der Kreislauf) und Wärmeübertragungscharakteristik beeinflussen, wie effizient ein Kältekreis in einem bestimmten Temperaturfenster arbeitet. Die Wahl des Kältemittels ist deshalb keine isolierte Entscheidung, sondern Teil der Systemauslegung. 

R290 erreicht in Außengeräten mit großflächigem Tischverdampfer sehr hohe Wirkungsgrade – die AIR EAGLE erzielt Vorlauftemperaturen bis 70 °C, auch für bestehende Heizkörpersysteme. R32 ermöglicht in der vollmodulierenden AIR HAWK Baureihe Leistungszahlen über 5 über einen breiten Lastbereich; der Kompressor läuft nahezu unterbrechungsfrei, was die Lebensdauer maximiert und in vielen Fällen den Pufferspeicher überflüssig macht. R452B arbeitet effizient im Temperaturbereich von Sole- und Grundwasserquellen und ermöglicht dabei Vorlauftemperaturen bis 65 °C. 

R513A schließlich verbindet niedriges GWP (631) mit Sicherheitsklasse A1 – eine im Markt seltene Kombination, die OCHSNER gezielt für das AIR HAWK 208 nutzt: das kompakteste und leiseste Modell im Portfolio mit 28 dB(A) in 3 Metern, zertifiziert im Schweizer Wärmepumpen-Testzentrum.

Die Kältemittel im OCHSNER Portfolio

Eigenschaften, Einsatzbereiche und regulatorische Einordnung – und welche OCHSNER Wärmepumpen jeweils damit arbeiten.

R290 - Propan

Kältemittel mit sehr geringem Treibhauspotenzial und ausgezeichneten thermodynamischen Eigenschaften. Sicherheitsklasse A3 erfordert spezifische Sicherheitskonzepte bei der Aufstellung. Regulatorisch langfristig optimal positioniert.

MEHR ÜBER R290 ERFAHREN

R32 - Difluormethan

−68 % GWP gegenüber R410A bei sehr guter thermodynamischer Effizienz. Sicherheitsklasse A2L: schwer entflammbar, mit sehr geringer Flammenausbreitung. Unterhalb der relevanten EU-GWP-Schwellenwerte.

MEHR ÜBER R32 ERFAHREN

R452B - HFO/HFC-Gemisch

R410A-Ersatz mit −67 % GWP. Sicherheitsklasse A1 (keine Flammenausbreitung) – keine brandschutztechnischen Sonderanforderungen bei Innenaufstellung. Ideal für Sole- und Grundwasser-Wärmepumpen.

MEHR ÜBER R452B ERFAHREN

R513A - HFO/HFC-Gemisch

Niedriges GWP kombiniert mit Sicherheitsklasse A1 (keine Flammenausbreitung). Eingesetzt im AIR HAWK 208 – dem leisesten OCHSNER Modell mit 28 dB(A) in 3 Metern.

MEHR ÜBER R513A ERFAHREN

R134a - Tetrafluorethan

Bewährtes, nicht brennbares Kältemittel für kompakte Geräte mit geringen Füllmengen. Aufgrund des höheren GWP-Werts steht R134a im Kontext der F-Gase-Regulierung stärker unter Druck als Kältemittel unterhalb der 700-GWP-Schwelle. Für bestehende Anlagen keine sofortigen Betriebsverbote.

MEHR ÜBER R134A ERFAHREN

Welche OCHSNER Wärmepumpe 
nutzt welches Kältemittel?

OCHSNER AIR HAWK 208

Luftwärmepumpe

R513A

OCHSNER AIR HAWK 518–1850

Luftwärmepumpe

R32

OCHSNER AIR MILAN

Luftwärmepumpe

R290

OCHSNER AIR EAGLE

Luftwärmepumpe

R290

OCHSNER GEO FOX

Erdwärmepumpe

R290

OCHSNER TERRA FOX

Erdwärmepumpe

R452B

OCHSNER AQUA FOX

Grundwasser-Wärmepumpe

R452B

OCHSNER EUROPA N

Warmwasser-Wärmepumpe

R290

OCHSNER EUROPA MINI

Warmwasser-Wärmepumpe

R134a

Die Verordnung (EU) 2024/573: Was sie tatsächlich bedeutet

Seit dem 11. März 2024 gilt in der EU die überarbeitete F-Gase-Verordnung (EU) 2024/573. Sie ersetzt die Vorgängerverordnung 517/2014 und ist in allen 27 EU-Mitgliedstaaten unmittelbar verbindlich. Zentral für Wärmepumpen ist Anhang IV der Verordnung – er regelt, welche Kältemittel in neuen Geräten ab welchem Datum nicht mehr eingesetzt werden dürfen. 

Die Verordnung unterscheidet klar zwischen zwei Situationen, die häufig vermischt werden: was für Bestandsanlagen gilt – und was für neue Produkte. 

Bestandsanlagen: Bestehende Anlagen dürfen nach aktuellem Stand weiterhin betrieben, repariert und gewartet werden – die Verordnung schreibt keine Stilllegung vor. Für Service und Wartung bleiben R32, R410A, R407C, R134a, R513a und R452B nach heutigem Rechtsstand grundsätzlich zulässig, jeweils unter den geltenden service- und sicherheitsrechtlichen Vorgaben. Zu beachten ist, dass Kältemittel mit höherem GWP durch die Mengenreduzierung im Phase-down langfristig knapper und teurer werden können. 

Neue Produkte: Klare Fristen, differenziert nach Gerätekategorie und Leistungsklasse. Hier gilt Genauigkeit. Die Verordnung unterscheidet nicht nur nach GWP-Wert, sondern nach Bauweise (Monoblock/Split) und Nennleistung: 

Ab 1. Januar 2027: Kein Inverkehrbringen von Monoblock-Wärmepumpen (bis 50 kW) und Split-Wärmepumpen (bis 12 kW) mit GWP > 150. Betrifft R32, R452B, R513A für kompakte Geräte dieser Kategorien. 

Ab 1. Januar 2029: Für Split-Wärmepumpen bis 12 kW: alle F-Gase verboten (außer bei Sicherheitsausnahme). Für Split-Systeme über 12 kW: GWP > 750 verboten – R32 (GWP 675) liegt darunter und bleibt bis 2033 zulässig. 

Ab 1. Januar 2030: Für Split-Systeme über 12 kW: GWP > 150 verboten. Ab diesem Datum gilt de facto GWP < 150 für alle Wärmepumpen-Kategorien. 

Die Sicherheitsausnahme – immer eine Einzelfallprüfung. Anhang IV enthält eine explizite Ausnahmeregelung: Wenn Sicherheitsanforderungen am Aufstellort den Einsatz von Kältemitteln mit GWP < 150 nicht zulassen, sind höhere GWP-Werte bis maximal 750 weiterhin zulässig. Diese Regelung ist für Sole- und Grundwasser-Wärmepumpen mit Innenaufstellung besonders relevant: Dort ist R290 mit Sicherheitsklasse A3 (leicht brennbar) konstruktiv anspruchsvoller umzusetzen als ein nicht brennbares Kältemittel der Klasse A1. Ob die Ausnahme im konkreten Einzelfall greift, hängt jedoch von Bauart, Aufstellbedingungen und den jeweils anwendbaren nationalen Sicherheitsnormen ab. 

Was das für das OCHSNER Portfolio konkret bedeutet. Die Regulierung macht die Richtung deutlich: Kältemittel mit sehr niedrigem GWP werden langfristig die Norm. Mit R290 setzt OCHSNER in vier Produktfamilien bereits heute auf ein Kältemittel, das diese Anforderung ohne zeitliche Einschränkung erfüllt. Die vier Produktfamilien AIR MILAN, AIR EAGLE, GEO FOX und EUROPA N sind aus heutiger Sicht F-Gas-regulatorisch sehr gut positioniert. Die größeren AIR HAWK Modelle (726 und 1850, über 12 kW) arbeiten mit R32 (GWP 675), das für Split-Systeme über 12 kW bis 2033 zulässig bleibt. Für die kompakteren AIR HAWK Modelle sowie für TERRA FOX und AQUA FOX laufen die nächsten Fristen 2027 bzw. 2029. Die Kältemittelforschung steht hier nicht still: Weltweit wird intensiv an Kältemitteln mit GWP unter 150 geforscht, die nicht zwingend R290 heißen müssen – und die spezifische Anforderungen wie Nicht-Brennbarkeit (A1) oder bestimmte Leistungsbereiche besser erfüllen könnten als R290. OCHSNER verfolgt diese Entwicklungen aktiv und wird neue Kältemittellösungen in das Portfolio integrieren, sobald sie technisch ausgereift und regulatorisch abgesichert sind. Die differenzierte Kältemittelstrategie ist dabei kein Übergangsmodell, sondern Ausdruck einer Entwicklungsphilosophie, die das jeweils technisch Sinnvollste wählt – heute wie morgen.

OCHSNER: Low-GWP-Kältemittel 
der nächsten Generation

Die Regulierung ist klar: Die Zukunft gehört Kältemitteln mit sehr niedrigem Treibhauspotenzial – idealerweise kombiniert mit einer möglichst günstigen Sicherheitsklassifizierung. Genau hier setzt OCHSNER mit seiner Doppelstrategie an: R290 dort, wo es technisch und sicherheitstechnisch optimal passt, und synthetische Low-GWP-Kältemittel dort, wo Normen eine geringe Brennbarkeit verlangen. 

OCHSNER setzt heute bereits HFO-basierte Kältemittel ein: R513A (GWP 629,48) im AIR HAWK 208 und R452B (GWP ca. 697) in TERRA FOX und AQUA FOX. Diese Kältemittel sind gegenüber R410A ein großer Schritt nach vorn – aber sie liegen noch oberhalb des GWP-150-Schwellenwerts, der ab 2027 für kompakte Neugeräte gilt. Die eigentliche nächste Generation sind HFO-Blends mit GWP deutlich unter 150. 

Im Fokus der Kältemittelforschung stehen heute zwei Kategorien: HFO-Blends mit GWP unter 150 sowie reine HFO-Kältemittel mit GWP nahe 1. Bei den HFO-Blends sind Kältemittel wie R-454C (GWP ca. 146–148, A2L), R-457A (GWP ca. 137, A2L) oder R-455A (GWP ca. 146, A2L) in der Entwicklung – allesamt HFO/HFKW-Gemische, die möglichst nah an den Drucklagen und Effizienzniveaus heutiger Kältemittel bleiben und gleichzeitig die regulatorischen Anforderungen ab 2027 erfüllen. Parallel dazu sind reine HFO-Kältemittel wie R-1234yf (GWP < 1–4) und R-1234ze(E) (GWP < 1) bereits im Einsatz – vor allem als Basiskomponenten für Blends wie R-454C, aber auch direkt in Wärmepumpen. 

Für OCHSNER ist entscheidend, dass sich Effizienz, Klimabilanz und Sicherheit nicht gegenseitig ausschließen. Deshalb investieren wir seit Jahren erhebliche Mittel in Forschung und Entwicklung – von eigenen Versuchsanlagen über Feldtests mit Pilotkunden bis hin zur Mitarbeit in Normungsgremien. Ziel ist es, neue Low-GWP-Kältemittel frühzeitig in serienreife Wärmepumpen zu überführen, sobald sie technisch ausgereift, regulativ abgesichert und im realen Betrieb verlässlich sind.

Wer heute eine OCHSNER Wärmepumpe wählt, profitiert von einer klaren Zukunftsstrategie.